Wie Contact Improvisation entstanden ist

„The Earth is bigger than you. You might as well coordinate with it.“
Nancy Stark Smith

Die Wurzeln der Contact Improvisation liegen in den USA der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre. Ihr Begründer Steve Paxton war Tänzer, Choreograf, Turner und Aikido-Schüler. Er tanzte unter anderem in der Kompanie von Merce Cunningham und beschäftigte sich intensiv mit der Frage, wie Tanz entstehen kann, wenn nicht eine feste Choreografie, sondern der Moment selbst die Bewegung bestimmt.

In dieser Zeit veränderte sich die Tanzwelt. Künstler:innen begannen, Gewohntes zu hinterfragen und mit neuen Formen zu experimentieren. Alltagsbewegungen wie Gehen, Stehen und Sitzen fanden ihren Weg in den Tanz. Improvisation, Zufall und die direkte Begegnung wurden wichtiger.

Auch Paxton erforschte, was passiert, wenn Menschen sich ohne festgelegte Schritte bewegen und dabei aufeinander reagieren. Er interessierte sich besonders für Schwerkraft, Gewicht, Gleichgewicht, Fall und Berührung.
1972 zeigte er das Stück Magnesium, in dem eine Gruppe von Männern miteinander und durcheinander fiel. Gleichzeitig entwickelte er den Small Dance: eine stille Übung im Stehen, bei der die feinen Bewegungen und das Spiel des Körpers mit der Schwerkraft wahrgenommen werden.

Aus diesen Erfahrungen entstand gemeinsam mit anderen Tänzer:innen eine intensive Forschungsarbeit. Sie experimentierten mit Rollen, Fallen, Heben, Fliegen, Gewicht geben und nehmen und dem gemeinsamen Bewegen zum Boden. Der Tanz entstand unmittelbar aus der Berührung und dem Moment.
1972 wurde diese Arbeit erstmals öffentlich unter dem Namen Contact Improvisation gezeigt.

Was zunächst als Performance begann, entwickelte sich schnell zu einer eigenständigen Tanzform. Tänzer:innen nahmen die Ideen mit in andere Städte und begannen, gemeinsam zu forschen und zu unterrichten. So verbreitete sich Contact Improvisation zunächst in den USA und wenig später auch in Europa und der ganzen Welt

 

Eine Tanzform ohne festes Regelwerk

Contact Improvisation wurde nie zentral organisiert oder institutionalisiert. Sie lebt bis heute vom gemeinsamen Forschen, Weitergeben und Austauschen.

Schon früh entstand mit dem Contact Quarterly ein Magazin, in dem Tänzer:innen Erfahrungen, Fragen und Ideen miteinander teilten. Bis heute gibt es weltweit Kurse, Workshops, Festivals, Performances und sogenannte Contact Jams.

Bei einer Contact Jam wird ohne Anleitung gemeinsam getanzt und praktiziert. Jede:r entscheidet selbst, wie und mit wem sie oder er sich bewegt. Der Boden, die Schwerkraft, der eigene Körper und die anderen Tänzer:innen werden dabei zu Partner:innen. Es gibt spezielle Formate wie die Underscorejam, mehrtägige Jams und Tagesjams.

So bleibt Contact Improvisation das, was sie von Anfang an war: eine offene Einladung, Bewegung im gemeinsamen Gewichtteilen zu erforschen – neugierig, spielerisch und immer wieder neu.

 

A drawing of the dance space during Jörg Hassmanns Summer Intensive 2026. Drawn by Jørgen Bøckman Mæhre @tegneprosessen